Kommunen im Wandel

Volle Kraft auf Innovation – Wie gute Gründungs- und Innovationsförderung bei der Bewältigung des Strukturwandels hilft

Herausforderung: Strukturwandel

Strukturwandel erleben wir, teilweise zeitversetzt, in verschiedenen Regionen Deutschlands und der Welt. Er stellt uns als Mensch, kleine, mittlere und große Unternehmen, die Politik und die Wirtschaft immer wieder vor neue Herausforderungen. Doch welche Strukturen verändern sich denn eigentlich und warum? Und wieso ist diese Veränderung eine so große Herausforderung? Wie kann durch eine gelungene Gründungs- und Innovationsförderung der Strukturwandel in einer Region bewältigt werden?

Nur wer diese Hintergründe versteht, kann daraus für seine Region passende Maßnahmen für die Innovations- und Wirtschaftsförderung ableiten. Nur so können für die nächsten Jahre und Jahrzehnte lokale Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Wirtschaft einer Region stärken und die Ansiedlung oder Gründung neuer Unternehmen fördert.

In diesem Artikel werden kurz die Herausforderungen des Strukturwandels auf eine Region, die damit einhergehenden Veränderungen aber auch die Einflussfaktoren dargestellt, die den Wandel maßgeblich beeinflussen. Sie erfahren, wie auch Ihre Kommune oder Ihre Region dazu beitragen können, Strukturen in Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig zu verändern.

Mehr zum Thema finden Sie auch in unserem Podcast die Innovationskiste in der Folge „Gelungene Gründungs- und Innovationsförderung – Ein Garant für einen erfolgreichen Strukturwandel in Baden-Württemberg?“ mit Prof. Dr. Martina Fromhold-Eisebith von der RWTH Aachen.



Welche Veränderungen drohen eigentlich?

Aktuell wirken gleichzeitig verschiedene strukturwandelnde Prozesse in Deutschland:

  • Entstehung des Quartären Sektors: Die Entwicklung des quartären Sektors (Informationstechnologien) ist schon weit vorangeschritten. Zwischen Stuttgart, Karlsruhe und Mannheim arbeiten heute mehr Menschen in IT-Berufen als im Silicon Valley. Und dennoch sind viele KMUs erst am Beginn der digitalen Revolution, die insbesondere auch viele Geschäftsmodelle verändern wird.
  • Entstehung der Bioökonomie: Im Zuge der Dekarbonisierung und von Kreislaufwirtschaftsgedanken wächst mit der Bioökonomie eine komplett neue Branche heran, die Technologie und Ressourcenorientierung miteinander verbindet und zu einem der prägenden Wirtschaftsbereiche der kommenden Jahrzehnte werden dürfte. Sie dringt in immer mehr traditionelle Produktionsbereiche vor und ersetzt dort sukzessive vorhandene Technologien und auch Unternehmen.
  • Mobilitätswandel: Eng einher mit der Bioökonomie geht der Mobilitätswandel, der viele Regionen in Deutschland hart treffen wird. Ganze Regionen (z.B. Ingolstadt, Nürnberg-Erlangen, Hannover-Wolfsburg oder Stuttgart, aber auch Bodensee-Oberschwaben) sind sehr stark auf die Automobilindustrie ausgerichtet und von dieser stark abhängig. Welche Autobauer und welche Zulieferer den anstehenden Wandel wie überstehen werden, ist noch völlig unklar. Dass viele traditionelle Arbeitsplätze (z.B. Mechatroniker:in in der Produktion) in Zukunft kaum mehr benötigt werden und dafür an anderer Stelle neue Arbeitsplätze entstehen, dürfte eine zwangsläufige Folge sein.

Das sind nur die wichtigsten Wandelprozesse, die aktuell auf deutsche Unternehmen und damit auch stark auf einzelne Kommunen wirken. Die laufende Coronakrise unterbricht diesen Wandel nicht, sondern verstärkt und beschleunigt die Prozesse wie ein Katalysator. Welche Unternehmen diese Prozesse erfolgreich gestalten können und welche nicht, kann niemand vorhersagen. Für die langfristige kommunale Entwicklung liegen in diesen Strukturwandelprozessen allerdings sowohl gravierende Risiken als auch große Chancen. Im ganzen Land werden die Karten neu gemischt. Wer sich jetzt gut und zukunftsorientiert positionieren kann, sichert Wohlstand und Lebensqualität seiner Kommune auf Jahrzehnte hinaus. Regionen, die dabei nicht erfolgreich sind oder die Trends verschlafen, drohen Zustände wie im Ruhrgebiet der 1970er- bis 1990er-Jahre.

Primärer, sekundärer, tertiärer Sektor
Unsere Wirtschaft gliedert sich in drei wesentliche Wirtschaftsbereiche: Den primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft), den sekundären Sektor (produzierendes Gewerbe) und den tertiären Sektor (Dienstleistungen). Letzter gewinnt zunehmend an Bedeutung sowohl hinsichtlich der Bruttowertschöpfung, als auch hinsichtlich der Beschäftigtenzahlen. Diese Bedeutungsverschiebung zwischen den einzelnen Sektoren zunächst vom primären zum sekundären und nun zum tertiären Sektor, bezeichnet man als Strukturwandel.

Wandel innerhalb des tertiären Sektors und Entstehung des quartären Sektors

Deutschlands Wirtschaft ist in den letzten Jahrzehnten also vom Strukturwandel geprägt. Dabei gewinnt der tertiäre Sektor, der sich in „öffentliche und private Dienstleister“ und „Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister“ aufteilen lässt, immer mehr an Bedeutung. Erwirtschaftete dieser Wirtschaftssektor 1960 noch 22,4% der Bruttowertschöpfung Deutschlands, waren es im Jahr 2015 bereits 53,5% (Bundeszentrale für politische Bildung 2016). Diese Verschiebung ist zunächst nicht neu; parallel liegt jedoch eine Bedeutungsverschiebung innerhalb des Dienstleistungssektors zu technologieorientierten und wissensbasierten Branchen vor. Insbesondere die Branchen rund um Informationstechnologien werden mittlerweile auch als quartärer Sektor bezeichnet, der schon längst der Sektor mit den meisten Beschäftigten und der größten Wertschöpfung geworden ist.

Wege zur Bewältigung

Es gilt also, heute bereits die richtigen Wege zur Vorbeugung und Gestaltung des anstehenden Veränderungsprozesses einzuschlagen. Wirtschaftsförderung und kommunale Stadtentwicklung sind die Trainer:innen, die kommunale Gemeinwesen fit für zukünftige, noch ungewisse Entwicklungen machen.

Es gilt also bereits heute transformierend auf Unternehmen, Bildungs-, Forschungs- und Entwicklungsakteur:innen, das zur Verfügung stehende Arbeitskräftepotential, Verwaltungs- und Demokratiestrukturen, demographische Prozesse und städtebauliche Gestaltung zu wirken. Besonders vier Akteursbereiche sind dabei von großer Bedeutung und müssen gleichermaßen berücksichtigt und in die Gestaltung mit eingebunden werden: Neben den Kommunen (Verwaltung, Politik, kommunales Handeln und kommunale Gestaltung) sind das die etablierten Unternehmen, die Bürger:innen und neue, innovative Unternehmen.


Die Rolle von Unternehmen

Viele Unternehmen, vor allem große, oft familiengeführte Mittelständler haben trotz der Coronakrise die finanziellen, inhaltlichen und gestalterischen Potentiale sich und ihr gesamtes Umfeld aus Kommunen, Zulieferern, Kunden und Mitarbeitenden zu verändern. Diese Unternehmen benötigen Unterstützung auf ehrlichen und konsequenten Veränderungsprozessen und auch beim kreativen Ausprobieren und der Umsetzung von neuen Ideen und innovativen Projekten. Und sie brauchen dafür Eigentümer:innen und Führungskräfte, die den Mut haben, diese neuen Wege zu beschreiten.


Die Rolle der Bürgerinnen und Bürger

Ohne Akzeptanz in der Bevölkerung haben Änderungen erst dann eine Chance, wenn sie zu spät sind. Oder sie müssten mit Zwang durchgesetzt werden, was keine erstrebenswerte Vorgehensweise ist. Die anstehenden Veränderungen werden massiv in die Lebensgewohnheiten der allermeisten Menschen eingreifen. Die Menschen auf diesem Weg aktiv und vielleicht auch mitgestaltenden mitzunehmen, ist einer der zentralen Erfolgsfaktoren.


Die Rolle von Start-ups

Start-ups kommt bei der Bewältigung des Strukturwandels ebenfalls große Bedeutung zu, da sie oftmals ihren Schwerpunkt in den innovativen Bereichen der Wirtschaft setzen und besonders in Städten und Agglomerationsräumen Treiber für technischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandel sind. Alleine und in Kooperation mit etablierten Unternehmen setzen sie wichtige Impulse für neue Geschäfts- und Betreibermodelle und treiben innerhalb der mittelständischen Unternehmen, der Gesellschaft und auch der Verwaltung den Einsatz neuer Technologien und Dienstleistungen voran. Start-ups sind in der Lage, technische und wissenschaftliche Erkenntnisse in kürzester Zeit in wirtschaftliche Aktivitäten umzuwandeln, da Entscheidungen sehr schnell und agil getroffen und Neuorientierungen umgesetzt werden können. Diese Eigenschaft macht Startups zu flexiblen und wandlungsfähigen Unternehmen, die zudem einen Beitrag zur Schaffung neuer Arbeitsplätze leisten, neue nationale und internationale Marktzugänge generieren und das Innovationskapital erhöhen.

Aufgrund des enormen wirtschaftlichen Potenzials und der Chancen, die sich durch neue Technologien und Innovationen, auch für etablierte Unternehmen, aus Startups ergeben, ist es sinnvoll, Existenzgründungen zu fördern und Startups in ihren Entstehungsphasen zu unterstützen.


Die Rolle von Kommunen

Gestalter:in, Treiber:in und Moderator:in all dieser Prozesse können und sollten die Kommunen, Landkreise und Regionen sein. Nur sie können pointiert und exakt passend lokal agieren. Gleichzeitig können Kommunen die verschiedenen Akteur:innen zusammenbringen und zum Handeln motivieren. Wie genau können Sie also in Ihrer Kommune ins Handeln kommen?


Lokal und regional Start-up-, Gründungs- und Innovationsökosysteme entwickeln

Die zahlreichen Fördermöglichkeiten von Bund und Ländern für Gründende und Gründungsinteressierte aber auch für Innovationsprojekte kommen lokal nur an, wenn es dort einen Rahmen und auch eine Kultur für Gründung und Innovation gibt. Wenn Start-ups von der Gesellschaft gefeiert werden, wenn Scheitern als Lernprozess angenommen und wenn Anlaufstellen engmaschig begleiten, dann entsteht ein Lebensgefühl, ein Ökosystem, in dem immer neue Projekte entstehen und diese dann auch überzufällig erfolgreich sind.

Entwickler:innen und Treiber:innen solcher Ökosysteme sind zumeist und auch zu Recht die Kommunen. Nur sie sind nah genug an allen benötigten Akteur:innen, um eine wirksame Zusammenarbeit zu forcieren.


Langfristige „Fitnessprogramme“ für richtige Prioritäten

Gemeinsam mit den Wirtschaftsakteur:innen und der Zivilgesellschaft lassen sich eine starke Vision und auch die dafür notwendigen Umsetzungspfade für eine Wirtschafts- und damit auch Stadtentwicklungsstrategie entwickeln. Damit entsteht nicht nur ein Handlungsprogramm mit langfristiger politischer Wirkung, sondern auch ein Zukunftsbild, welches kreative und innovative Kräfte bei Unternehmen, Gründungsinteressierten und Bürger:innen zu wecken im Stande ist.


Städtebauliche Gestaltung der Stadt der Zukunft

Auch über städtebauliche Projekte haben Städte und Kommunen die Möglichkeit, den Rahmen für zukunftsfähige Strukturen in Wirtschaft und Gesellschaft zu setzen. So können Konversionsflächen und neue Entwicklungsbereiche nicht mehr nur als reine Wohn- oder Arbeitsgebiete gedacht werden, sondern als moderne Quartiere, in denen Arbeiten und Wohnen nebeneinander und mit sehr kurzen Wegen funktionieren.

Auch bei der Weiterentwicklung von Innenstädten kann darauf geachtet werden, die funktionale Trennung der letzten Jahrzehnte schrittweise zu überwinden und die Innenstädte wieder für mehr als nur Einzelhandel zu öffnen. Damit können die Stadt- und vor allem auch Stadtteilzentren wieder zu jenen multifunktionalen Zentren werden, die sie über Jahrhunderte waren.


Weitere kommunale Gestaltungsbereiche

Und Kommunen haben noch viele weitere Gestaltungsbereiche. So können zum Beispiel ländliche Regionen durch geschickten Einsatz von Glasfaseranschlüssen und kleinen, flexiblen Coworkingflächen die Themen Digitalisierung und New Work dazu nutzen, wieder mehr Menschen in Dörfern und kleinen Städten zu halten und damit auch wieder an Lebendigkeit zu gewinnen.

Zögern Sie nicht und starten Sie rechtzeitig mit der Vorbereitung auf den schon längst aktiven Veränderungsprozess des Strukturwandels. Durch eine gelungene Gründungs- und Innovationsförderung, stellen Sie die Weichen für die Zukunft und helfen sowohl etablierten Unternehmen, die auf eine Neuausrichtung angewiesen sind, als auch Gründenden bei der Verwirklichung ihrer Idee. Beides wirkt sich positiv auf die Wirtschaftsstruktur ihrer Region aus.

Wir begleiten Sie gerne bei den ersten Schritten oder erstellen gemeinsam mit Ihnen ein, auf ihre Region angepasstes, Konzept zur Förderung von Gründungen und Innovation. Melden Sie sich dazu gerne bei uns, wir nehmen uns Zeit für Sie.

Lydia Bremer
Gründungs- und Innovationsbegleiterin
lydia.bremer@newcities.de
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