Denken im Netzwerk – Warum Gründungs- und Innovationsökosysteme Ihre Region nach vorne bringen

Gründende, die in einem Gründerzentrum arbeiten können, die Beratungspartner haben und die Teil eines lokalen Netzwerks sind, sind bedeutend erfolgreicher als Gründende, die „alleine“ da stehen und nicht von Netzwerkstrukturen unterstützt werden. Solche Netzwerkstrukturen, die Gründungen erfolgreicher machen und übrigens überzufällig viele Gründungen entstehen lassen, werden als Gründungs- und Innovationsökosystem bezeichnet. Sie tragen maßgeblich zum Erfolg von Gründungen und Startups bei und steigern die Zahl der Gründungen. Aber warum ist das so? Und was brauchen Gründer:innen eigentlich an Unterstützungsangeboten, um langfristig erfolgreich zu sein? Was macht ein solches Gründungsökosystem aus?

Ein Gründungsökosystem ist mehr als nur ein Coworkingspace oder eine Auswahl an Beratenden, die ihre Dienstleistungen den Gründenden günstig zur Verfügung stellen. Das Erfolgsrezept zu einem gelungenen Gründungs- und Innovationsökosystem ist vielschichtiger, wenngleich seine Etablierung durch einfache und verhältnismäßig kostengünstige Schritte möglich ist.

In diesem Artikel erfahren Sie, was die wesentlichen Bestandteile eines Gründungsökosystems sind und welche Schritte notwendig sind, um ein möglichst aktives Netzwerk zu etablieren. Lernen Sie die dreizehn Funktionsbereiche kennen, die ein voll funktionsfähiges Gründungs- und Innovationsökosystem miteinander verzahnt abbilden sollte. Sie sind dem vom Gründerschiff-Team entwickelten Gründungsökosystem Canvas zu entnehmen, der unabhängig von institutionellen Anforderungen zeigt, welche Aufgaben ein Ökosystem ausmachen.

Die Abbildung zeigt neben dem praktischen Canvas zum selbst ausfüllen auch gleich die Priorisierung, in der beim Aufbau eines Gründungsökosystems vorgegangen werden kann. Im Wesentlichen können zwei Phasen unterschieden werden:

  • Phase 1: Eine breite Basis schaffen. Hier werden die Grundlagen für das Zusammenspiel verschiedener Akteure und auch für das Entstehen neuer Akteure genauso gelegt, wie erste Schritte zu Sichtbarkeit, Angebot und Netzwerk von Gründungsinteressierten, Gründenden, unterstützenden Akteuren und meist auch etablierten Unternehmen.
  • Phase 2: Lebendigkeit und Funktionalität ausbauen. In dieser zweiten Phase geht es darum, Gründungsinteressierte, Investoren sowie generelle Unterstützung (Reichweite, Vorbilder, Mentoren, Beratung, Kunden etc.) besser zu erreichen und entsprechende Angebote deutlich auszubauen.

Tooltipp: So arbeiten Sie strukturiert mit dem Gründundungsökosystem Canvas

Arbeiten Sie in mehreren Schritten:

  1. Sammeln Sie – am besten mit Akteuren aus der Region zusammen – die bereits vorhanden Angebote und Akteure. Schreiben Sie diese auf grüne Post-its und ordnen Sie diese in die jeweils passende(n) Kategorie(n) ein.
  2. Identifizieren Sie Lücken und unzureichend ausgefüllte Bereiche und sammeln Ideen für deren Schließung. Schreiben Sie diese auf gelbe Post-its und ordnen Sie diese in die jeweils passende(n) Kategorie(n) ein.
  3. Probieren Sie Ihre Lückenschlussideen aus. Beginnen Sie tendenziell mit den Ideen, welche die geringsten Ressourcen benötigen und welche in den oben farbig markierten Feldern der Phase II angesiedelt sind. Bei funktionierenden Ideen ersetzen Sie die gelben Post-its durch grüne Post-its, wenn Ideen nicht funktionieren, dokumentieren Sie das mit roten Post-its.

So erhalten Sie am Ende einen Überblick über Ihr funktionierendes Gründungs- und Innovationsökosystem und dokumentieren gleichzeitig, welche Wege nicht funktioniert haben


Die folgende Tabelle gibt einen kompakten Überblick über die einzelnen Aufgabenbereiche, potentielle Akteure und die Funktion der Aufgabenbereiche eines funktionierenden Gründungs- und Innovationsökosystems:

Um die ganze Tabelle einzusehen, klicken Sie weiter unten „Gründungsökosystem Canvas jetzt herunterladen“

Welche Akteure spielen die wichtigsten Rollen im Gründungsökosystem?

Diese vier Akteure sind unabdingbar für ein funktionierendes Gründungs- und Innovationsnetzwerk:

  • Gründungsinteressierte, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen, gibt es in jeder Region. Zur Anzahl gibt es verschiedene Studien. Danach können sich bis zu 40% aller erwerbsfähigen Menschen in Deutschland eine Gründung grundsätzlich vorstellen. Ein Zugang zu einem regionalen Netzwerk ist für Gründungsinteressierte besonders wichtig. So können sie sich von Best Practice Beispielen inspirieren lassen oder finden passende Ansprechpartner zu diversen Themenschwerpunkten.
  • Gründende tragen mit innovativen oder kreativen Geschäftsideen und alternativen Arbeitsweisen zu einer dynamischen und zukunftsweisenden Wirtschaftsstruktur einer Region bei. Sie setzen neue Impulse und liefern häufig auch für etablierte Unternehmen verändernde Ansätze.
  • Öffentliche Partner können Städte, Kommunen, Landkreise oder ganze Regionen und deren Wirtschaftsförderungseinrichtungen, aber auch Universitäten, Hochschulen und Kammern sein. Durch gezielte Wirtschaftsförderung setzen sie Impulse für eine zukunftsfähige Wirtschaftsstruktur und eine nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung. Sie sind häufig bei der Etablierung eines Gründungs- und Innovationsnetzwerks die treibende Kraft.
  • Unternehmen (mittelständische oder Konzerne) sind meist die Säulen der Wirtschaftskraft einer Region, bieten Arbeitsplätze und sichere Strukturen. Sie stehen durch äußere Faktoren wie dem Klimawandel oder den Strukturwandel vor der Herausforderung, sich an neue Gegebenheiten anpassen zu müssen und auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren zu müssen. Für viele Unternehmen wird es darum gehen, sich neu zu erfinden, um Antworten auf die vielen parallellaufenden Strukturwandelprozesse zu finden.

Durch das Zusammenspiel und den Austausch der oben beschriebenen Akteure entstehen Synergien für alle beteiligten Partner. Startups, denen es besonders in der ersten Phase (Seed- und Startup-Phase) an Kapital fehlt, können durch eine Beteiligung von Unternehmen profitieren. Letztere wiederum können durch den Startup-Spirit, durch neue Ideen und Wege der Zusammenarbeit, durch innovative Ansätze und nicht zuletzt durch frischen Wind aus zum Teil veralteten Strukturen und Prozessen entkommen und sich neu aufstellen.

Gründende stehen zu Beginn ihres Vorhabens, egal in welchem Bereich, häufig den gleichen Herausforderungen gegenüber. Welche Rechtsform passt zu mir? Welche Fördermöglichkeiten passen zu meinem Vorhaben? Wann ist es Zeit die ersten Mitarbeitenden einzustellen? Durch den Austausch untereinander können Gründende voneinander lernen und sich so schneller entwickeln.

Doch wie bringt man die regionalen Akteure nun zusammen?

Die Frage ist schnell beantwortet: Fangen Sie einfach an.

Beispielsweise mit einer Veranstaltung, die zum Austauschen anregt und zunächst möglichst viele Interessierte anspricht. Je niederschwelliger die ersten Events sind, desto mehr Teilnehmende sprechen Sie damit an. Starten Sie also mit Events, die sowohl Gründende als auch Gründungsinteressierte und Stakeholder aus der Wirtschaft als Teilnehmer anpeilen und laden Sie Menschen aus diesen Gruppen persönlich ein. Häufig ergeben sich daraus regionale Bedarfe und Interessensschwerpunkte der Akteure. Mit diesen Eindrücken können daraufhin neue Events geplant und meist auch eine erste Aktivengruppe identifiziert werden.

Ein Netzwerk schafft sich nicht von allein.

Besonders zu Beginn ist es wichtig, dass Sie nach einer ersten Initiierung am Ball bleiben. Häufig sind es öffentliche Partner wie Wirtschaftsförderer, Kommunen oder Kammern, die den Aufbau eines regionalen Gründungs- und Innovationsnetzwerks vorantreiben. Aber auch private Anbieter von Coworkingspaces oder größere Unternehmen mit einer Innovationsabteilung können beim Aufbau des Ökosystems federführend sein. Wichtig ist, im Anschluss an eine Auftaktveranstaltung eine Regelmäßigkeit in Events und Austauschmöglichkeiten zu bringen.

Wie die Etablierung eines funktionierenden Gründungsnetzwerk in der Praxis aussehen kann, können Sie auch im Podcast „Die Innovationskiste“ in der Folge „Denken im Netzwerk – Vorteile von Gründungs- und Innovationsökosystemen“ nachhören. Darin berichten Florian Appel von der Wirtschaftsregion Ortenau und Thomas Schier vom Disruptors Accelerator von ihren Erfahrungen in dem Bereich. Außerdem erfahren Sie, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sich zwischen Metropolregionen wie etwa Köln oder einem eher ländlich Geprägten Raum, wie dem Ortenau-Kreis ergeben.

Gründungs- und Innovationsökosysteme stärken die Wirtschaft.

Unabhängig davon wie groß eine Kommune ist, welche Leitbranche(n) es gibt und unabhängig welche Wirtschaftsstruktur eine Region aufweist, das Binden und Fördern von Innovation und Gründergeist macht immer Sinn. Lokale Vernetzung führt dazu, dass junge Unternehmen mittel- und langfristig einem Standort treu bleiben. Und das ist es genau das, was erfolgreiche Wirtschaftsförderung ausmacht.

Schauen Sie sich das Gründungs- und Innovationsökosystem in Ihrer Kommune und Ihrer Region genau an. Laden Sie sich dafür einfach den Gründungsökosystem Canvas zum selbst ausfüllen herunter.

Lassen Sie uns ins Gespräch kommen

Gemeinsam etablieren wir auch in Ihrer Kommune ein Gründungs- und Innovationsnetzwerk. Wir begleiten Sie gerne bei diesem Prozess, von der Initiierung über den Aufbau bis hin zum aktiven Betrieb. Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch direkt mit mir. Ich freue mich auf Sie.

Lydia Bremer
Gründungs- und Innovationsbegleiterin
lydia.bremer@newcities.de
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